Unerwartetes

Ich kann nicht mit vorgefertigten Weltanschauungen auf Neues wirken. Auf eine Situation, die so unerwartet ist, mit alten Mustern zu reagieren, wird nicht gehen.
Unerwartet ist deshalb unerwartet, weil es nicht aus meinem Denkmodell entstanden ist. Unerwartetes kommt von aussen auf mich zu. Es fordert heraus und will begriffen werden.
So war es nicht geplant.
Wenn ich mich nicht für das Neue öffne, werde ich nie eine Antwort finden. Nur wenn ich es akzeptiere und in eine “Beziehung” gehe mit dem was ist, beginne ich mit der neuen Situation zu tanzen. Wenn auch sicher nicht ohne zu stolpern.
Reagieren kann man immer und schnell. Aber eine wirkliche Antwort auf eine Situation zu generieren, ist etwas ganz anderes. Das geht erst, nachdem ich meinen Ärger überwunden habe, dass alles anders geworden ist als gedacht. Erst nachdem sich die Trauer über das, was so nicht weiter gehen wird beruhigt hat, bin ich bereit, klarer zu spüren, wer ich bin und wohin ich gehöre.
Tanz ist nur möglich, weil der Körper ständig auf Veränderungen der Statik reagiert und im Neuen sein Gleichgewicht findet. Sonst falle ich um.
Alles, was aus meinen schon bestehenden Lösungsmodellen kommt, kommt nicht aus dem Hier und Jetzt (siehe „AdK“, für die, die das Seminar mitgemacht haben). Mit alten Mustern dem Neuem zu begegnen, wird nichts werden. Die ganze Mühe nur für ein „Zurück auf weiter wie bis her“? Lerne ich nicht aus der Situation in der Situation, dann begreife ich sie nicht. Dann verstehe ich nur meine Gedanken und wundere mich, dass ich keine Ahnung habe, wie ich dieser Situation begegnen soll.
Weil es noch nicht “tanzt” in mir.
Zum ersten Mal hören wir alle auf der ganzen Welt die gleiche Corona-Musik. Aber sie ist neu. Sie lässt sich nicht tanzen, wie wir sie bis jetzt getanzt haben.
Das Wesentliche, das Leben selbst fordert uns heraus.
Lass uns tanzen. In Bewegung kommen. Nur dort finden wir neue Antworten auf das Unerwartete.